Thomas Helmer im Interview: „Bayerns allerletzte Chance“

Am Freitag gehen die Kicker aufs Eis. Beim "Deutschen Eisfußball Pokal 2009" kann dann der FC Bayern wenigstens noch einen Titel in dieser Saison gewinnen und den "Wölfen" aus der VW-Stadt damit das Double vermasseln. Für die Bayern am Ball und auf dem Eis ist auch Thomas Helmer. Mit dem DSF-Moderator und ehemaligen Weltklasse-Verteidiger sprach ProSieben.de über alte Recken, blaue Flecken und die abgelaufene Bundesliga-Saison.

 

Frage: Herr Helmer, die abgelaufene Bundesliga-Saison hat großen Sport geboten und den verspricht nun auch ProSieben für den "D.E.F.B.-Pokal", den "Deutschen Eisfußball Pokal" - großer Sport oder eher großes Spektakel?
Thomas Helmer: Das eine schließt das andere nicht aus, das hat auch diese Bundesliga-Saison gezeigt. Und auch der "Deutsche Eisfußball Pokal" wird beides bieten, da bin ich mir ganz sicher.

 

Frage: Fußball auf Eis, im Eishockey-Outfit und mit Bowlingschuhen – ein bisschen bekloppt muss man dafür aber doch sein?
Helmer: Ja, wahrscheinlich schon (lacht). Ich denke, die meisten von uns wissen gar nicht, worauf sie sich da eigentlich einlassen. Ich habe bei TV total wenigstens schon einmal diese Montur anprobieren können, dann aber feststellen müssen, dass das sehr unbequem zu werden droht.

 

Frage: Mit Ihnen, Fredi Bobic, Mario Basler, Toni Polster, Jörg Böhme etc. sind ehemalige Topstars der Bundesliga dabei, was ist für Sie und Ihre Kollegen die Herausforderung?
Helmer: Ich denke, wenn es irgendwo um Spiel, Sport und Spaß geht, dann sind wir alten Recken immer noch sehr neugierig. Und ich freue mich sehr darauf, an diesem Abend viele ehemalige Kollegen einmal wieder zu sehen.

 

Frage: Haben Sie sich das Steißbein und andere Knochen schon versichern lassen?
Helmer: Nein, ab einem gewissen Alter hat man diesbezüglich bei den Versicherungen keine Chance mehr (lacht). Das ist aber schon okay, denn auch wenn die Montur ziemlich unbequem ist, so dürfte sie doch die gröbsten Stöße etc. abpolstern. Der ein oder andere blaue Fleck wird es aber ganz sicher dennoch nicht vermeiden lassen.

 

Frage: Hilft es beim Eisfußball überhaupt, wenn man mit der Kugel etwas anfangen kann?
Helmer: Ich glaube, dass es in erster Linie sauschwer wird, das richtige Timing und die richtige Geschwindigkeit zu finden, bei der man sich noch einigermaßen auf den Beinen halten kann. Der einzige Vorteil könnte sein, dass man nach einer Eingewöhnungsphase doch in der Lage ist, wenigstens halbwegs als Team zu harmonieren und der ein oder andere Ball doch bei einem Mitspieler ankommt.

 

Frage: Ihre Mitspieler beim FC Bayern München sind die Ex-Profis Mario Basler, Andi Herzog und Georg "Schorsch" Hackl, der als ehemaliger Weltklasse-Rodler auf dem Eis zuhause war...
Helmer: Auch wenn es Eisfußball heißt, den Löwenanteil macht hier sicher das Eis aus, und nicht der Fußball. Für uns Ex-Profis ist das also eine leichte Sache: Wenn wir verlieren, dann hat nur einer Schuld, der Schorsch (lacht)! Denn der kennt sich auf dem Eis bestens aus. Wenn er uns also nicht die richtige Technik beibringt, dann ist er fällig. Keine Ahnung, ob er sich dieser Gefahr überhaupt bewusst ist.

 

Frage: Wer ist der Favorit?
Helmer: Schwer zu sagen. Ich bin aber sicher, dass Stefan Raab wie ein Verrückter geübt und der 1. FC Köln damit nicht nur einen Heim-, sondern auch so schon einen kleinen Vorteil hat.

 

Frage: Sie können dann auch die Münchner Ehre retten und dem neuen deutschen Meister VfL Wolfsburg wenigstens noch das Double verderben ...
Helmer: Stimmt, wir haben den Auftrag, wenigstens einen Titel für den FC Bayern München in diesem Jahr zu holen. Das ist die allerletzte Chance.

 

Frage: Tatsächlich muss sich Ihr Ex-Klub in dieser Bundesliga-Saison mit der Vize-Meisterschaft zufrieden geben; um im Bild zu bleiben: Haben sich die Bayern zu oft auf dünnes Eis begeben?
Helmer: Dass die Saison nicht rund war, gibt man ja auch zu, ...

 

Frage: ..., weil das "Experiment Klinsmann" voll in die Hose gegangen ist?
Helmer: Das Experiment mit Jürgen hat fraglos nicht funktioniert, das Risiko war ja auch von vorne herein sehr groß. Da wurde der Druck im Laufe der Saison immer stärker und, um wieder im Bild zu bleiben, die Bayern sind dann irgendwann ins zu dünne Eis eingebrochen.

 

Frage: Während die "Wölfe" aus der VW Stadt geradezu übers Eis tanzten – aufgrund der eigenen Stärke oder auch, weil die gesamte Konkurrenz in dieser Saison versagt hat?
Helmer: Fakt ist, dass in dieser Saison sehr viele Tore gefallen sind und Wolfsburg mit Grafite und Dzeko den herausragenden Sturm der Liga gestellt hat. Überhaupt gab es eine ganze Reihe Spieler, die mehr als zwanzig Tore erzielen konnten. Gleichzeitig spricht das aber nicht unbedingt für die Defensivleistungen der Teams. So hat Wolfsburg für einen Meister mit 41 Toren doch eine sehr hohe Zahl an Treffern hinnehmen müssen. Und 69 Punkte sind auch kein überragendes Ergebnis. Trotzdem waren die "Wölfe" in der Rückrunde eindeutig die beste Elf und sind damit dann auch ein verdienter Meister.

 

Frage: Auch einer mit großer Zukunft?
Helmer: Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es sicher leichter ist, einen Titel zu erringen, als ihn dann auch zu bestätigen. In der nächsten Saison wird sich zeigen, wie stark die "Wölfe", aber auch der gesamte Verein tatsächlich sind. Das wird für den neuen Trainer Armin Veh ganz sicher keine leichte Aufgabe. Ich hoffe auf jeden Fall, dass Wolfsburg auch in der Champions League eine gute Rolle spielt. Dem deutschen Fußball würde dort eine zweite erfolgreiche Mannschaft neben dem FC Bayern gut zu Gesicht stehen.

 

Interview: Andreas Kötter

Video: Thomas Helmer bei TV total (Sendung 1342 vom 12.05.2009)

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